Im Berliner Single- und Künstler-Milieu treffen liebenswertschräge Archetypen des Großstadtlebens aufeinander, die sich gegenseitig das Leben schwer machen, reich, arm, schnell, langsam, dick und dünn.
Nach der Trennung von seiner beruflich zu erfolgreichen Freundin muss ein junger Koch ein neues Leben anfangen, denn die Ex hat ihm komplett die Wohnung leer räumen lassen – jedenfalls fast! Außer einem Löffel ist kein einziges Möbelstück mehr da. Doch nach und nach nehmen seine Freunde, Bekannte und Verwandte die große, leere Wohnung in Beschlag, werden Mitbewohner oder Gäste und missbrauchen die Wohnung sonstwie für ihre jeweiligen Zwecke, so dass eine WG wider Willen entsteht, die zur Bühne für Kollisionen, Romanzen, Experimente, Siege und Niederlagen wird.
Wenn man sich durch die Programme der deutschen TV-Sender zappt, findet man von Schillerstraße, Krömer-Show, Mario Barth, Atze Schröder bis hin zu Altvater Harald Schmidt jede Menge deutsche Comedy. Sind die im Ausland als humorlos geltenden Deutschen ein Volk der Spaßvögel geworden? Na, ich glaube, wir sind gar nicht so verschieden von den anderen, wie wir uns das gerne einreden. Unser Sinn für Humor ist freilich ganz anders als der amerikanische, und da wir via Hollywood ständig mit dem Mainstream-Humor aus den Staaten konfrontiert werden, fällt den Leuten der Unterschied besonders auf. Es kann sein, dass die Deutschen vielleicht nicht immer ganz so anspruchsvoll sind, was den Humor betrifft, aber letztlich sind es ja nicht ganze Völker, die humorvoll oder humorlos sind, sondern immer nur Individuen.
Seit seinem Roman „Der Vollidiot“ gilt Tommy Jaud als Pate des deutschen Comedy-Romans. Ist Ihre Hauptperson Albrecht nicht auch eine Art Vollidiot? Das Wort “Idiot” bezeichnet auf Altgriechisch, wenn ich mal kurz angeben darf, nichts anderes als einen Privatmann - jemanden, der sich nicht um die öffentlichen, insbesondere politischen Angelegenheiten schert, sondern nur um seinen eigenen Kram. Wenn Sie das meinen, dann würde ich sagen: Ja, die Hauptfigur ist sogar bekennender Idiot. Er ist nur sicherlich kein Vollidiot im umgangssprachlichen Sinn, das wäre unfair; aber es stimmt, besonders klug ist er auch wieder nicht.
In Ihrem Roman kommen Männer eigentlich besser weg als Frauen. Würden Sie Ihren Roman als typischen Männerroman bezeichnen? Was? Die Männer kommen in meinem Roman besser weg als die Frauen? Oje, ich hoffe, wir drucken noch nicht...
Was ist für Sie eigentlich ein guter Gag? Ein guter Gag muss harmonisch aus seiner Situation herausgeschleudert kommen und der Welt, wie man sie kennt, voll auf die Schnauze hauen. Dabei muss Würde zerstört werden, eine schmerzliche Wahrheit muss durchscheinen, es muss einen klaren Verlierer geben - und schon lachen die Menschen. Ich finde, das sagt eine Menge über unsere Spezies aus...
Die Hauptperson Ihres Romans lebt in Berlin Mitte, was für ihn gleichbedeutend mit der Welt ist. Finden Sie Berlin wirklich weltstädtisch oder nicht auch eine Spur provinziell? Der Unterschied zwischen Großstadt und Provinz ist, dass man in der Großstadt die Wahl hat, ob man provinziell leben will, während man es in der Provinz einfach muss, und das war’s. Das Phänomen “Provinz in der Großstadt” ist ja ein weltweites. Das sind Leute, die ihren Stadtteil kaum verlassen oder den Nachbarbezirk bereits für Ausland halten; die gibt es in Paris genauso wie in London, Mumbai oder Casablanca. In Berlin gibt es das auch, und darüber habe ich geschrieben.
Eine ständige Bedrohung der Szene-Idylle sind Schwester und Eltern Ihrer Hauptperson. Ist Ihr Roman auch eine Art Anti-Familiensaga? Es ist natürlich nur eine empfundene Bedrohung. In Wirklichkeit versuchen die Verwandten, der Hauptfigur zu helfen, doch durch dessen etwas verschrobene Weltsicht verwandelt er all diese Versuche in Pleiten für sich selbst.Ich würde also eher sagen, es ist eine richtige Familiensaga, denn die Reibereien, die es nun mal zwischen den engsten Verwandten bei aller Liebe ständig gibt, machen eine “Saga” aus. Es knirscht, aber es klappt doch irgendwie. An dieser Stelle sollte ich wohl klugerweise sagen, dass der Roman natürlich 100% Fiktion ist und alle Ähnlichkeiten rein zufällig sind. Gerade meine richtigen Eltern sind großartige Menschen und vollkommen anders als die im Roman dargestellten, und eine Schwester habe ich auch nicht, dafür einen wunderbaren Bruder: Hi Martin, wie läuft’s?
Ist die Spaß-Gesellschaft eigentlich auf dem Weg, eine Art Parallel-Gesellschaft zur wirklichen Welt mit all ihrer Tristesse zu werden? Wahrscheinlich war der Humor schon immer eine der besten Waffen gegen Enttäuschungen, aber ich will lieber die These aufstellen, dass die wirkliche Welt gar nicht so übel ist. Es sind unsere teilweise absurden Wünsche und Pläne, die für den ganzen Ärger sorgen, wenn wir auf Teufel komm raus versuchen, irgendwas durchzusetzen. Das bringt uns wieder zu dem altgriechischen Privatmann, der sich stattdessen lieber entscheidet, Idiot zu sein und vielleicht gar nicht so falsch liegt damit. Die Kunst besteht immer darin, das Schöne, das direkt vor uns liegt, überhaupt erst zu bemerken und dann zu kultivieren. Das heißt natürlich nicht, dass man sich dann anschließend nicht darüber lustig machen darf.
Geht’s weiter mit Albrecht, Ihrem Helden? Gibt es eine Fortsetzung? Ja, es gibt schon weitere Manuskripte mit der Fortsetzung für die Bände zwei und drei; im Moment schreibe ich das Ende von Band drei.
Als ein besonderes Schmankerl für unsere Autoren und für alle Interessierten startet ab diese Woche Schenk`s Literatencafé! Hier können Sie aktuelle Themen mit unserem Verlag diskutieren. Jetzt starten wir mit Beiträgen von unserem Autor Werner Geismar. Wir würden uns über Ihr Interesse freuen!